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Eismeister Zaugg

National League: Eismeister Zaugg über die Zukunft von Marco Bayer

Sportchef Sven Leuenberger spricht waehrend der Vorsaision Medienkonferenz der ZSC Lions am Dienstag, 26. August 2025 in der Swiss Life Arena in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Für den ZSC und Sportchef Sven Leuenberger endete am Sonntag die Saison.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Sven Leuenberger, wird Marco Bayer entlassen?

Die Saison der ZSC Lions ist nach der Verlängerungs-Niederlage in Davos zu Ende. Wenn ein Titelverteidiger scheitert, ist der Trainer immer ein Thema.
13.04.2026, 07:4513.04.2026, 15:43

Unmittelbar nach dem letzten Saisonspiel ist es viel zu früh, den Sportchef nach dem Schicksal des Trainers zu fragen. Ja, eine Analyse in den Emotionen des Scheiterns oder gar zu polemisieren, wäre unseriös. Aber die Fans interessiert es halt schon, wie es mit Marco Bayer – er hat noch einen Vertrag für eine weitere Saison – weitergehen wird.

Am einfachsten können wir die Situation der ZSC Lions mit einem fiktiven Gespräch (also nicht einem echten!) zwischen Sportchef Sven Leuenberger und Marco Bayer im Rahmen der Saisonanalyse erklären. Der Chronist hat sich in die Rolle der beiden versetzt. So könnte das Saisonschlussgespräch ablaufen:

Sven Leuenberger: Wir können nicht zufrieden sein. Der HCD wäre zu packen gewesen.
Marco Bayer: Da bin ich deiner Meinung.
Leuenberger: Du trägst für das Scheitern eine Mitverantwortung.
Bayer: Ja klar, als Trainer stehe ich immer in der Verantwortung. Hast du mir konkret etwas vorzuwerfen?
Leuenberger: Ja, man sagt, dass man die Handschrift des Trainers auch am Powerplay erkenne. Wir haben im Halbfinal aus mehr als einer halben Stunde Powerplay gerade mal zwei Tore erzielt und zuletzt in Davos oben aus fast zehn Minuten gar keines. Da muss ich schon ein Fragezeichen hinter dein Powerplay-Training machen.

Head Coach Marco Bayer (ZSC) beim fuenften Eishockey Playoff Halbfinalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und ZSC Lions (ZSC), am Sonntag, 12. April 2026, in der zondacrypto-Arena in Dav ...
Steht Marco Bayer auch in der nächsten Saison an der Bande.Bild: keystone

Bayer: So, so. Da machst du es dir zu einfach. Meine Frage: Wer hat im letzten Spiel die beiden Tore für den HCD erzielt?
Leuenberger: Wenn ich mich recht erinnere, der Stransky und der Lemieux.
Bayer: Richtig. Wie viele Tore haben unsere Ausländer in den fünf Halbfinalpartien gegen den HCD erzielt?
Leuenberger: Hm, wenn ich mich richtig erinnere, waren es zwei.
Bayer: Auch richtig. Und wie viele Tore haben die HCD-Ausländer im Halbfinal gegen uns insgesamt erzielt? Ich sage es Dir: Sechs! Wer ist für die Rekrutierung unserer Ausländer verantwortlich? Du oder ich?
Leuenberger: Ich natürlich.

Bayer: Eben. Ich wage jetzt die Behauptung, dass wir mit besseren Ausländern ein viel wirkungsvolleres Powerplay gehabt und den Final erreicht hätten. Kritik ist hinterher immer ein wenig billig: Aber die Verlängerung mit dem Grant war ein Fehler. Die Saison zu viel. Kein Tor und eine Minus-4-Bilanz im Halbfinal. Auch der Fröden, der Lehtonen und der Sundström haben nicht getroffen. Du hast während der Saison auch schon bessere zusätzliche Ausländer als den Sundström gefunden.
Leuenberger: Ja, ja, aber der Ausländermarkt war halt während der Saison ausgetrocknet!

Bayer: Ist mir schon klar. Aber du weisst schon, wie schwierig es ist, im Powerplay erfolgreich zu sein, wenn die Ausländer nicht treffen? Oder?
Leuenberger: Gut, lassen wir das. Aber ich habe einfach den Eindruck, dass du den Malgin im Halbfinal zu stark forciert hast. Über 20 Minuten pro Spiel insgesamt und in der letzten Partie in Davos oben sogar über 22 Minuten.
Bayer: Was willst du mir sagen?
Leuenberger: Du hast ihn zu sehr an der langen Leine geführt.
Bayer: Ich hätte mit ihm also strenger sein müssen? Oder gar einmal auf die Tribüne setzen sollen?
Leuenberger: Na ja, nicht gerade auf die Tribüne verbannen. Aber vielleicht wäre es gut gewesen, wenn du mal – wenn ich es so sagen darf – ein wenig getobt hättest.
Bayer: So nicht, Sven! Denis war auch im Halbfinal einer unserer Vorkämpfer. Aber wenn der Andrighetto fehlt, dann hat er keinen Linienpartner, der seine Laufarbeit und Kreativität in Tore ummünzen kann. Es ist ein Unterschied, ob der Riedi oder der Andrighetto einen seiner Pässe mit einem Direktschuss zu verwandeln versucht. Und die ausländischen Stürmer waren einfach zu wenig gut, um den Denis mit längeren Eiszeiten zu entlasten.
Leuenberger: Gut, das lass ich gelten. Aber ich erinnere mich halt, wie der Crawford (Marc Crawford, ZSC-Meistertrainer 2014 und 2024 – die Red.) in kritischen Situationen toben und sirachen konnte..

Bayer: Ja, ja, schon gut. Aber wenn ich mich richtig erinnere, ist er gegen Biel vor drei Jahren schon im Halbfinal sieglos gescheitert.
Leuenberger: Ist er, ja.
Bayer: Wenn du meinst, dass Toben und Sirachen hilft, dann kannst du ja den Wohlwend verpflichten. Der hat in Olten eine Ausstiegsklausel.
Leuenberger: Willst du mich auf den Arm nehmen?
Bayer: Nein, aber toben würde der «Wolwo».
Leuenberger: Aber das würde doch bei uns so nicht funktionieren!
Bayer: Eben. Also kritisiere meinen Führungsstil nicht. Oder hast du das Gefühl, dass ich die Kabine verloren habe?
Leuenberger: Nein, um Gottes Willen, nein!
Bayer: Na also. Nun noch etwas: Bist du mit der Entwicklung der jungen Spieler zufrieden? Darauf legen ja der Peter (ZSC-Manager Peter Zahner – die Red.) und du immer viel Wert.
Leuenberger: Im Grossen und Ganzen, ja.

Christian Wohlwend n'est plus le coach du HC Ajoie
Christian Wohlwend als ZSC-Trainer? Wohl kaum vorstellbar.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Bayer: Dann haben wir auch das geklärt. Ich habe auch nicht alles richtig gemacht und hinterfrage meine Arbeit. Aber ich denke, dass ich meinen Job nach bestem Wissen und Gewissen gemacht habe.
Leuenberger: Hm, ja, da muss ich dir recht geben.
Bayer: Ob ich meinen Vertrag bis im nächsten Frühjahr erfüllen kann, können wir hier in diesem Gespräch sowieso noch nicht abschliessend klären. Das werden wohl der Peter (Manager Peter Zahner – die Red.) und der Lorenz (der neue Präsident Lorenz Frey) entscheiden.
Leuenberger: So ist es.
Bayer: Ich hoffe, du wirst mich bei der entscheidenden Sitzung verteidigen.
Leuenberger: Ja, du weisst, dass ich meine Trainer schon immer gestützt habe. Aber ich bin wie du auch nur ein Angestellter der ZSC Lions – so wie damals beim SCB. Und dort hat Marc Lüthi meine Ratschläge in Trainerfragen nicht immer befolgt.
Bayer: Ist schon klar. Ich muss ja auch sagen, dass du im Hinblick auf die nächste Saison mit dem Berni und dem Knak sehr gute Schweizer Transfers gemacht hast.
Leuenberger: Danke für die Blumen, ja, das sind gute Zuzüge, die uns helfen werden. Ich gehe sowieso davon aus, dass du nicht um den Job bangen musst.

Simon Knak (HCD) bejubelt sein 3-2 gegen Torhueter Simon Hrubec (ZSC) beim ersten Eishockey Playoff Halbfinalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und ZSC Lions (ZSC), am Samstag, 4. April ...
In der nächsten Saison stürmt Simon Knak für die Zürcher.Bild: keystone

Bayer: Was stimmt dich so zuversichtlich?
Leuenberger: Ich sage es dir, aber es bleibt unter uns Pfarrerstöchtern. Versprochen?
Bayer: Klar, du kennst mich doch.
Leuenberger: Ich denke, der Walter (der ehemalige Präsident Walter Frey) hätte in dieser Situation, wie wir sie jetzt haben, einen Trainerwechsel nie genehmigt. Ich nehme an, dass der Lorenz (der neue Präsident und Sohn von Walter Frey) als erste offizielle Amtshandlung nicht gleich die Entlassung des Trainers anordnen wird.
Bayer: Dein Optimismus im Ohr der Hockeygötter. Lass es mich wissen, wenn du die Bestätigung hast, dass ich bleiben darf.
Leuenberger: Mache ich.
Bayer: Wenn ich doch entlassen werden sollte, werde ich es dir nicht übelnehmen und wir handeln im Falle eines Falles die Abfindung im Rahmen eines guten Mittagessens gütlich untereinander aus. Und Du bezahlst die Rechnung. Abgemacht?
Leuenberger: Ja, das werden wir so machen. Aber ich hoffe doch sehr, dass es nicht so weit kommen wird.

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56 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Regina_Pats
13.04.2026 08:37registriert Juli 2022
Immer werden von KZ die Ausländer thematisiert. Als können nur diese Spiele entscheiden und die Schweizer max. die eine oder andere Shift die 0 halten. Klar sind 6 Positionen gut oder schlecht besetzt ein wichtiges Puzzleteil aber auch ein Malgin, Weber, Kukan, Riedi etc. dürfen mal was reissen. Wenn immer die Ausländer den Kopf hinhalten müssen, braucht man sich dann nicht zu wundern, dass die Schweizer Spieler nie etwas reissen... gilt nicht nur für den Z, sondern gilt ligaweit.
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Balabar
13.04.2026 08:15registriert September 2017
Davos war einfach besser.
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der_böse_golf
13.04.2026 09:09registriert April 2026
Man muss neidlos eingestehen...
Gegen Davos ist diese Saison einfach kein Kraut gewachsen.
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